09.01. VERNISSAGE: Berlin untold- multifaceted impressions from berlins curbstones

 

Berlin untold- multifaceted impressions from berlins curbstones

 

VERNISSAGE 09.01.2020 / 19 Uhr

 

 

Es leben immer mehr Menschen in Berlin auf der Straße. Dabei beachten wir sie nicht und überdenken auch nicht deren möglichen Situationen, sondern verspotten sie mit einer Arroganz, die uns meist unbewusst ist und uns nicht zusteht.

In der Nacht vom 29. Auf den 30. Januar 2020 soll erstmalig ein entscheidender Schritt gemacht werden, um die Obdachlosigkeit der Bundeshauptstadt mit funktionellen Ansätzen zu überwältigen: Jeder Berliner ohne Meldeadresse soll gezählt und gelistet werden, damit sich die Regierung ein realistisches Bild der Situation machen kann. Doch reicht das? Wie soll dies und jede weitere Aktion unterstützend wirken, wenn die grundsätzliche Einstellung der Gesellschaft gegenüber dieser Gruppe von Menschen nicht geändert wird.

Anstatt anhand von Mimik, Gestik und äußeren Erscheinungsbildern zu urteilen, sollten wir eher versuchen die Welt durch ihre Augen zu sehen – vom „Bordstein“ aus.

Die Ausstellung „Berlin untold- multifaceted impressions from berlins curbstones“ – zu Deutsch: „das Unausgesprochene Berlins – Facettenreiche Eindrücke des Berliner Bordsteins“ versammelt 3 junge Künstlerinnen, um mithilfe von verschiedenen Medien die unterschiedlichen Perspektiven des Problems wahrnehmbar zu machen.

Dafür umgehen die Fotografien der ersten Arbeit die Generalisierung des Einzelnen auf die große Gruppe, sodass der Fokus auf dem Individuum selbst liegt.

Das zweite Medium stellt das gesellschaftlich verankerte Ekelgefühl des einzelnen gegenüber des Straßenlebens in Hinsicht von Kleidung, Gestik und Lebensart dar. Die letzte Arbeit setzt sich ausschließlich mit der emotionalen Ebene des Konflikts auseinander. Ekel, Schönheit, Selbstwert.

Um der großen Gruppe an Menschen, die hier angesprochen wird, erstmals ein Gesicht zu geben, hat Esther Betz die letzten Monate mit vielen unterschiedlichen und auf ihre eigene Art und Weise besonderen Menschen ohne Obdach gearbeitet. Esther Betz, geboren im Jahr 1999, gewann schon mit sieben Leidenschaft für die Fotografie, welche von dort an fester Bestandteil ihres Alltags wurde. Als Gewinnerin des Schülerkunstpreises Mannheims 2017 stellte sie ihre ersten Fotografien im „Club Arte“, einer Galerie in Mannheim, aus. 2018 folgte eine weitere Ausstellung in der C7 Galerie in Mannheim mit dem Thema „metrische Kunst“. Seit Oktober 2019 studiert Esther Produktdesign an der Universität der Künste in Berlin.

Ihre Arbeit gab den Betroffenen die Möglichkeit ihre Geschichte zu erzählen und gibt diesen Menschen somit Stimme und Gesicht.

Da wir im Voraus, basierend auf Unwissen, Vorurteilen und dem äußeren Erscheinungsbild, werten, sollen die Besucher die Möglichkeit bekommen die Persönlichkeit dieser Menschen zu fassen.

Ester schuf dazu eine Atmosphäre, in welcher die besagten Vertrauen wagten und es gelang ihr dank Kamera auf unvergleichliche Weise den Geist dieser Menschen einzufangen.

Die Welt eines jeden einzelnen von uns ist unweigerlich von Vorurteilen gefärbt.

Bezüglich der Wohnsitzlosigkeit in Berlin prägen Mimik, Gestik, Sprache doch vor allem auch Körperpflege und Kleidung der Betroffenen unsere Wahrnehmung dieser Menschen.

 

Designerin Eva Doubler hat sich für dieses Projekt mit Kleidungsstücken auseinandergesetzt, die auf der Straße gefunden wurden. Doubler ist eine Designerin im Alter von 17 Jahren. In ihren Designs wird deutlich, wie weit der Sprung von einem funktionalen Kleidungsstück zu einem statusbehaftetetn Luxus-accessoires ist und wie viel sich doch aus einfachen Materialien schaffen lässt.

Eine bewegende Arbeit, die unser Werteverständnis bezüglich äußeres Erscheinung im Bezug zur grundlegenden Funktionalität von Kleidung infrage stellt.

Konzeptionell die abgetragene, zerrissene  Hose zum Designerstück – wir sind was wir tragen.

Die dritte Arbeit behandelt die Komplexität von Schönheit im Zusammenhang mit dem Leben auf der Straße.

Laura Münch ist eine 18 Jahre alte leidenschaftliche Malerin und Musikerin. In drei gemalten Kunstwerken bringt Münch jegliche Empfindungen auf Leinwand, welche die Obdachlosen in Gesprächen, bezüglich der angewiderten Blicke, mit denen sie täglich konfrontiert sind, zu beschreiben versuchten.

Sehen Sie selbst, was für volle Persönlichkeiten sich hinter dieser verspotteten Gruppe verbergen und macht Euch selbst ein neues Bild!

Projekt- Organisation und Umsertzung:

 

Irina Thiab und John Lörinci